Sichtung eines Kängurus in Brandenburg: Hase, Fuchs, oder doch ein Känguru?

Nach einer Löwin scheint wohl nun ein Känguru in Brandenburg unterwegs zu sein. Vielleicht ist es auch nur ein Wildschwein.

Ein Känguru springt über eine Wiese

Zwar kein Rotnackenwallaby, aber auch ein Känguru Foto: Robert Michael/picture alliance

Auf eine Löwin, die sich als Wildschwein entpuppte, folgt nun die nächste skurrile Tiermeldung: Laut rbb soll in Brandenburg ein Känguru gesichtet worden sein. Derk Ehlert, Wildtierexperte des Berliner Senats, glaubt an die Echtheit des veröffentlichten Videos mit der angeblichen Tiersichtung. Er vermutet, dass es sich dabei um ein Rotnackenwallaby handelt.

Kängurus sollten nicht unterschätzt werden, besonders die großen Arten können sich durch kräftige Tritte verteidigen. In Australien lassen sich auch Boxkämpfe beobachten. Das Rotnackenwallaby gehört mit seinen 92 bis 105 Zentimetern im Gegensatz zum zwei Meter großen Riesenkänguru jedoch eher zu den ungefährlichen Arten. Faustkämpfe zwischen dem eingewanderten Beuteltier und Brandenburger Neonazis sind also eher nicht zu erwarten.

Ob und wie viele Kängurus aus privater Haltung fliehen, muss nicht gemeldet werden, erklärt Ehlert. Diese zählen nämlich – im Gegensatz zur vermeintlichen Löwin – nicht zu den gefährlichen Tierarten. Vielleicht werden in Brandenburg also bald auch Kängurus heimisch und leben dort friedlich mit Wildschweinen zusammen. Denn Hal­te­r*in­nen seien nicht dazu verpflichtet, ihre Tiere wieder einzufangen.

Die Flucht von Kängurus aus ihrer Gefangenschaft führte in Frankreich bereits dazu, dass sich in der Nähe von Paris eine ganze Population etablierte. Die Kängurus, die sich von Blättern und Gräsern ernähren, fanden dort in einem Wald eine dauerhafte Heimat. Auch in Mecklenburg-Vorpommern vermehren sich die Kängurus, die 2001 aus einem Zoo entflohen waren, fleißig weiter.

Kängurus fernab der Heimat

Während Kängurus auf dem europäischen Kontinent eher ein kurioses Einzelphänomen sind, das zufällige Be­ob­ach­te­r*in­nen erfreut, werden sie in ihrer Heimat Australien mit gemischten Gefühlen gesehen. Einerseits sind sie Nationalstolz des Landes, andererseits dürfen Landwirte sie jagen, um ihre Felder zu schützen. Bis das Känguru in Brandenburg dem Wolf Konkurrenz macht, müssten aber noch einige Tiere ausbrechen.

Das Problem von ausgebrochenen Tieren, die zu Landwirtschaftsschädlingen werden, wäre jedoch nichts Neues. So finden sich südamerikanische Laufvögel, Nandus, inzwischen auch in Norddeutschland. Die Tiere waren im Jahr 2000 ausgebrochen und gründeten zum Leidwesen der Landwirte eine Population. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen die Tiere – im Gegensatz zu den Kängurus – sogar gejagt werden.

Welche Zukunft das Känguru in Brandenburg zu erwarten hat und ob es ein*e Part­ne­r*in findet, bleibt abzuwarten. Und wer weiß, vielleicht stellt es sich im Nachhinein doch nur als Fuchs heraus.

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